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Warum eine Buchmesse so viel mehr ist als Bücher verkaufen

Oder: Wie eine Geschichte zu mir zurückkam


Momentan sprechen alle von der Leipziger Buchmesse. Dort war ich nicht, aber ich war vor Kurzem auf der "Kinder lesen" Zürich. Eine kleine, aber sehr feine und lebendige Kinderbuchmesse. Ein richtiges Familienevent für alle kleinen und großen Buchfans.


Dort ist mir einmal mehr klar geworden, warum Buchmessen so viel mehr sind als Bücher verkaufen. Denn: Wenn man den Mut hat, ins Gespräch zu gehen, entsteht etwas Lebendiges. Und was gibt es Schöneres?


Dann bleiben Geschichten nicht am Stand stehen.Sondern gehen weiter: ins Klassenzimmer, in Familien, in neue Sprachen, neue Länder.


Und manchmal kommen sie zurück. So wie dieses Jahr:


Um 9:30 öffnen sich die Türen. Die ersten Besucher strömen herein, die Geräusche schwellen in meinen Ohren an wie fröhliches Lachen.


Ich stehe an meinem halben Tisch mit meinen beiden Büchern, zeige Fotos von Selim und seinen Geschwistern – die Höhle, in der die Hundekinder geboren sind, die wahren Hintergründe zur Geschichte «Ich bin Selim – Abenteuer eines kleinen Straßenhundes.»


Ich signiere ein Buch für ein 10-jähriges Mädchen.


„This lady wrote that book!“, ruft ein Vater begeistert seiner Tochter zu.

Kinder und Erwachsene blättern durch das Fotoalbum, sind sichtlich gerührt.


Eine Mutter, die ursprünglich aus Istanbul kommt, bleibt stehen. Sie möchte mit ihrem Sohn gemeinsam durch das Buch Deutsch lernen.


Im Saal wird es immer voller und an meinem halben Tisch auch.


Ein Mädchen kommt, blättert durch die Fotos. Irgendwie kommt sie mir bekannt vor, aber ich weiß nicht, woher. „Das ist Selim, als er noch klein war. In dieser Höhle ist er geboren“, sage ich. „Und in diesem Buch geht es um seine Geschichte.“


Sie sieht auf.„Ich weiß. Ich hab das Buch letztes Jahr hier gekauft.“


„Und? Hat es dir gefallen?“, frage ich.


„Ja! Ich hab sogar eine Buchvorstellung in der Klasse gemacht!“


„Ja! Ich hab sogar eine Buchvorstellung in der Klasse gemacht!“

So etwas macht mich richtig glücklich.


Wir Autorinnen wissen oft gar nicht, was unsere Geschichten mit Leserinnen und Lesern machen.


Wenn ich auf einer Messe Bücher verkaufe und signiere, dann begegne ich Menschen – aber ich erlebe nur den Moment des Überreichens. Was danach geschieht, bleibt unsichtbar.


Bis eine Geschichte zurückkommt.


Und genau diese Momente machen aus einer Buchmesse so viel mehr als «Bücher verkaufen.» Sie bringen Begegnungen zwischen Menschen. Das ist es, was Geschichten so lebendig macht.

 
 
 

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