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Im Garten von Monet: Ein Maler und die Kunst des achtsamen Lebens

«Die Sonne strahlt. Das Meer badet im Licht. Tausend Punkte tanzen und funkeln im Wasser. Ich kann die Farben fast riechen. Später will ich Maler werden.»

So beginnt das Bilderbuch von Kaatje Vermeire über das Leben des berühmten Malers , übersetzt aus dem Niederländischen von Eva Schweikart und erschienen im Verlag Freies Geistesleben. Es richtet sich eindeutig an Kinder und Erwachsene gleichermaßen und lädt zu einer gemeinsamen Entdeckungsreise in die Welt eines der führenden Künstler des 19. Jahrhunderts ein.

 

„Mein Garten ist mein größtes Meisterwerk.“ – Claude Monet

 

Monets zahlreiche Seerosenteich-Gemälde in allen möglichen Lichtschattierungen und zu unterschiedlichen Tageszeiten sind jedem Kunstliebhaber ein Begriff.


Der Impressionist hatte die seltene Gabe, den Augenblick so intensiv und mit großer Achtsamkeit wahrzunehmen, als würde die Welt um ihn herum bei jedem Wimpernschlag neu geschaffen. Und wenn wir uns diesem Gedanken einmal hingeben, werden wir sehen: Es stimmt! Die Lichtschattierungen sind in keinem Augenblick genau gleich, die Geräusche, die Düfte wechseln.


Wenn wir uns nur ein wenig diese Fähigkeit aneignen und bewusst im Moment leben, werden wir ein reiches Leben leben, denn in ein und demselben Motiv finden wir unzählige Erlebniswelten. Gerade so wie Monet eine ganze Reihe Seerosenbilder schuf, von denen keines exakt dem anderen gleicht.



Beim Betrachten des Bilderbuches war mir tatsächlich oft, als würde ich die herrlichen Blumen in Monets Garten riechen und das Wasser plätschern hören, gerade so, wie es im Eingangszitat beschrieben ist.


Kein Wunder also, dass Monet sagte:

„Vielleicht verdanke ich es den Blumen, dass ich Maler geworden bin.“

 

Eine Biografie, die im Gedächtnis bleibt

 

Was viele nicht wissen, ist, dass sich der Seerosenteich in Monets eigenem Garten befand. Ende des 19. Jahrhunderts ließ er ihn durch einen japanischen Gärtner anlegen. Doch Monet, der 86 Jahre alt wurde (1840 – 1926), war schon lange bevor er sich in seinem Garten seine Motive suchte, bereits Maler und erlebte tiefe persönliche Krisen, wie den Tod seiner ersten Frau nach nur neun Jahren Ehe.


All dies wird im Buch von Kaatje Vermeire feinsinnig und gemütvoll wiedergegeben, ohne viele Worte zu machen. Vermeire lässt vor allem die Bilder sprechen und fügt ihnen nur wenige, aber kraftvolle Worte hinzu. Der Leser und Betrachter fühlt sich dadurch direkt mit der Gefühlswelt und dem Lebensweg dieses großen Malers verbunden. Am Ende hat man das Gefühl, Claude Monet selbst ein klitzekleines bisschen gekannt zu haben.



Für Kinder mögen einige Teile des Buches schwer zu verstehen sein, doch wenn Erwachsene sich die Zeit nehmen, gemeinsam mit den Kindern in das Leben dieses großen Malers einzutauchen, finden interessierte Kinder nicht nur farbenfrohe Blumengemälde, sondern auch ein spannendes Lebensportrait.

 

Eine einzigartige Bildsprache


Das Bilderbuch verwendet nicht etwa die Gemälde Monets selbst, sondern die Künstlerin Kaatje Vermeire findet eine impressionistische Bildsprache, die dem großen Maler ähnelt, aber doch ihren ganz eigenen Ausdruck hat. Diese Vorgehensweise erlaubt es ihr, den Maler und seine Lieben selbst in die Bilder zu setzen, sodass wir die Bilder betrachten, als würden wir durch ein kleines Fenster in den Lebensgarten des Impressionisten schauen.


Die Geschichte beschreibt Monets anfängliche Arbeit in Künstlerateliers, die Ödnis dieser Zeit spiegelt sich in den größtenteils in Grautönen gehaltenen Doppelseiten wider. Diese Farbleere findet sich etwa in der Mitte des Buches wieder, als Monet seine erste Ehefrau verliert und in eine tiefe seelische Krise stürzt. Vermeire lässt uns diesen Seelenzustand nachfühlen durch ein fast völlig farbloses Winterbild.



Dann geht es für ihn wieder bergauf, und es folgen herrliche Gemälde von Monets Garten und Seerosenteich, alle aus der Feder von Kaatje Vermeire. Das abnehmende Augenlicht des Malers lässt Vermeire uns durch seine Augen sehen, indem sie die Formen von Pflanzen und Wasser ineinander verschwimmen lässt.

 

Fazit: Ein Buch für die ganze Familie

 

„Im Garten von Monet“ ist mehr als nur ein Bilderbuch. Es ist eine Reise in die Welt eines der bedeutendsten Künstler des Impressionismus, ein Einblick in seine Gefühlswelt und ein liebevoll illustriertes Porträt, das Kinder und Erwachsene gleichermaßen berührt.


Nehmen Sie sich die Zeit, dieses wunderbare Buch gemeinsam mit Ihren Kindern zu entdecken, und lassen Sie sich von der Pracht und Tiefe von Monets Garten und Leben verzaubern. Diese gemeinsame Lektüre kann dann ein Moment der Achtsamkeit und des bewussten Erlebens für die ganze Familie werden, eine Oase im stressigen Alltag.

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