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Die Kunst des Zuhörens: Wie Momos Fähigkeit hilft, Frieden zu fördern

Und uns nicht mehr allein zu fühlen.


Hört man wirklich, wenn man zuhört?

 

Haben Sie sich schon einmal überlegt, dass Zuhören eine unschätzbar wertvolle Fähigkeit ist? Die Fähigkeit, wirklich zuzuhören, geht Hand in Hand mit Präsenz, also Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Einfühlsamkeit.


Jeder von uns hat sicherlich schon die Erfahrung gemacht, jemandem von seinen Erlebnissen zu erzählen, nur um festzustellen, dass die Gedanken des Gegenübers ganz woanders verweilen. In solchen Momenten schwindet die Lust am Teilen, oder? Mir geht es regelmäßig so. Wenn mein Gegenüber nicht zuhört, höre ich auf zu erzählen.


Doch echtes Zuhören, so wie es Momo beherrscht, hat die Kraft, völlig neue Gedanken und Ideen freizusetzen und den Austausch so zu einem Freudenmoment und Erkenntnisgewinn zu machen.


Vielleicht haben Sie ja auch schonmal erlebt, dass sie lange Zeit auf einer Frage herumkauen und sobald sie die Gelegenheit bekommen haben, diese Frage einem Freund/einer Freundin gegenüber auszusprechen, kommt Ihnen die Antwort wie von selbst zugeflogen?

 

Momos Geheimnis: Die Kunst des Zuhörens

 

Wenn Sie an Michael Endes weltberühmten Kinderbuchklassiker denken, dann fallen Ihnen vielleicht Beppo der Straßenfeger ein oder Kasiopeia, die Schildkröte, Meister Hora oder die grauen Männer, die die Zeit der Leute rauchen. Ja, eines der Zentralthemen des Buches ist der Umgang mit Zeit. Aber es gibt noch ein weitere Kernthema:


Momo, die plötzlich im Amphitheater auftaucht und keiner weiß, wo sie herkommt; dieses kleine Mädchen beherrscht die Kunst des Zuhörens wie keine andere.


"Sie konnte so zu hören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder das Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und dass zwei, die im Streit lagen, dem anderen zuhörten und Frieden schlossen. ... So konnte Momo zuhören!" (Momo - Michael Ende)


Und so hat der Thienemann Verlag zu Momos 50. Jubiläum ein ganzes Bilderbuch diesem Thema gewidmet. Die kurzen Texte wurden sorgfältig aus Michale Endes Original ausgewählt und so kann uns der Autor einmal mehr mit seiner Sprache berühren.


Die Zeichnungen von Simona Ceccarelli verschmelzen wunderbar mit der Art des Textes und schaffen es gleichzeitig, das sichtbar zu machen, was keine Worte der Welt ausdrücken könnten.

 

Die Magie des Zuhörens: Verbindung zu Leben und Natur

 

Wer dem Leben aufmerksam lauscht, so wie Momo es tut, eröffnet sich eine Welt voller Weisheit. Das Leben wird zu einem Weg, den man Schritt für Schritt gehen kann, genau wie Beppo Straßenfeger.


Denn wer Schritt für Schritt weitergeht und sich nicht von der Länge des Weges entmutigen lässt, der kommt irgendwann ans Ziel. Auch der alte Beppo hört dem Leben zu, genau wie Momo. Sicher sind die beiden deshalb so gute Freunde geworden.


Beppo «hört» oder «fühlt» die größten Weisheiten in den Tätigkeiten seines alltäglichen Lebens. Er ist kein Mann der Worte. Nur, wenn Momo zuhört, dann findet er mit einem Mal die richtigen Worte, um seine Erkenntnisse zu teilen.



Wer dem Leben zuhört, wird nie allein sein; sich auch nie allein fühlen. Denn wenn wir uns im Zuhören üben, werden wir nach und nach auch die Sprache all dessen, was lebt, verstehen lernen. Das Singen der Vögel, das Surren der Insekten, das Gluckern des Wassers, das Knirschen der Kiesel unter den eigenen Sohlen …


Die Welt ist erfüllt von Leben, und in diesem Bewusstsein schwindet das Gefühl der Einsamkeit. Momo ist oft allein, sie hat keine Eltern mehr, sie lebt allein in einer Nische des Amphitheaters, aber sie ist so erfüllt von Leben, dass sie sich nie einsam fühlt. Und weil sie so gut zuhören kann, kommen auch alle möglichen Menschen zu ihr.

 

Die Kraft des Zuhörens: Ein Beispiel aus der Realität


Timothy Shrivener, Gründer der UNITE Initiative (Dignity Index) in den USA sagte in einem seiner Newsletter:


"Jedes Mal, wenn mir jemand sagt, dass das Streben nach Einigung eine weiche und einfache Art ist, große Probleme zu lösen, werde ich an … so viele von euch [denken], die große Probleme lösen, indem sie intensiv zuhören (listen deeply). Jedes Mal, wenn mir jemand sagt, dass er nicht mit "diesen" Leuten auskommt, werde ich an diese Männer denken, die ihr Leben damit verbracht haben, Grenzen zu überwinden und denen zuzuhören, die andere Meinungen haben.“


Das Listen First (Zuerst Zuhören) Projekt in den USA tritt in Momos Fußstapfen. 500 Partner-organisationen haben sich dazu verpflichtet, in Konfliktfällen immer zuerst gut zuzuhören.


Wir werden nie alle gleicher Meinung sein. Aber wäre es nicht möglich, einen Weg zu finden, gut miteinander zu leben?


Auf jeden Fall ist diese revolutionäre Idee einen ernsthaften Versuch wert, wenn wir zum Frieden beitragen wollen in Familien und Staaten.



Momos Methode: Mehr als Ratschläge und Ideen

 

Das Zuhören, so wie es Momo praktiziert, bedeutet nicht, Ratschläge zu erteilen oder eigene Gedanken zu teilen. Es bedeutet auch nicht, die Sorgen des anderen zu übernehmen. Es bedeutet schlicht und einfach, in diesem Moment für den anderen da zu sein und nirgendwo sonst. Die ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken, das allein kann Wunder wirken.


Sicher haben viele von uns die transformative Kraft des Zuhörens selbst schon einmal erfahren. Sich-gehört-fühlen kann Anspannung, Sorgen, Einsamkeit und Ängste vertreiben. Die Einfühlsamkeit, die uns entgegengebracht wird, führt dazu, dass auch wir wiederum offener, friedvoller und mutiger mit anderen Menschen umgehen.


Wollen wir nicht selbst zu Menschen werden, die für andere da sind, indem wir wirklich zuhören? Momo macht es uns vor.

 

Die Welt, die wir schaffen könnten: Frieden durch Zuhören

 

Aus meinen eigenen Erfahrungen und aufgrund meiner Ausbildung in Mediation und Gewaltfreier Kommunikation glaube ich daran, dass unsere Welt ein friedlicherer Ort wäre, wenn wir einander wirklich zuhören könnten.


Das ist oft alles andere als einfach. Im Gegenteil:


Menschen zuzuhören, die Meinungen vertreten, die unseren Ansichten völlig entgegenstehen, braucht eine Menge Mut!

Wenn wir uns darauf besinnen, die universellen Bedürfnisse, Hoffnungen und Wünsche hinter den Meinungen zu hören, wird es uns leichter fallen. Es wird uns sicher nicht jedes Mal gelingen, muss es auch gar nicht! Aber wenn es uns nur 1x mehr gelingt als bisher, dann wäre doch schon etwas gewonnen. Wagen wir es, diesen Heldenweg zu gehen? Nicht nur die kommende Generation würde es uns danken.

 

Was denken Sie über die Kraft des Zuhörens? Welche Erfahrungen haben Sie selbst gemacht? Schreiben Sie es gerne in die Kommentare.

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